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Walnuss - Baum des Jahres 2008

 

Der 10 bis 25 m hohe Walnussbaum (Juglans regia) ist eine stattliche, breitkronige, aber frostempfindliche Lichtholzart. Einzelexemplare können über 600 Jahre alt werden, doch liegt das Durchschnittsalter zwischen 125 und 150 Jahren. Die Heimat des Nussbaums ist wahrscheinlich im Orient zu suchen. Über Griechenland gelangte er nach Italien, wo er mit göttlichen Namen wie „Jovi glans" (Eichel des Jupiters) beehrt wurde. Durch die Römer ist die Walnuss in weiten Teilen Süd-, West- und Mitteleuropas eingebürgert worden. Hierauf deutet auch die erste Silbe der Bezeichnung „Walnuss", d. h. welsche, also aus Welschland (Italien) stammende Nuss, hin. In Deutschland wurde der Walnussbaum erst durch die Empfehlungen Karls des Großen in seinen Landgüterverordnungen um 800 nach Chr. bekannt und verbreitet.

 

juglans_regia   nussschale_trans Der Wind als Bestäuber

Die Echte Walnuss zählt zu den einhäusig getrennt-geschlechtlichen Laubgehölzen: Die bis zu 15 cm langen männlichen Kätz­chen mit ihren vielen Staubgefäßen hängen in den Achseln abgefallener Laubblätter der vorjährigen Zweige. Die bis 1 cm langen, zweistrahligen weiblichen Stempelblüten sitzen an der Spitze diesjähriger Triebe. Ihre Blütenhülle ist mit dem Fruchtknoten verwachsen. Die Blüte erfolgt zwischen April und Mai, wobei junge Bäume nur weibliche Blüten hervorbringen. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind. Die in einer grünlichen, gerbstoffreichen Hülle heranwachsenden Walnüsse sind botanisch gesehen keine Nuss, sondern eine Steinfrucht, da nur die innere Schicht der Fruchtwand zur zweiklappigen Nussschale verholzt. Neuerdings wird die Walnuss jedoch den Nüssen zugeordnet (s. naturkosmos 3/2007). Erst ab dem 15. Lebensjahr setzen Walnussbäume Früchte an.

 

     nussschale_trans  Walnüsse sind gesund!

Je nachdem, ob frisch oder getrocknet, haben Walnusskerne 42 bis 60 % Fett, dabei überdurchschnittlich viel von den für das Herz gesunden Omega-3-Fettsäuren, 11 bis 16 % Eiweiß, 15 bis 23 % Kohlehydrate. Schon 50 g pro Tag, z. B. im Müsli oder im Salat, senken nach wissenschaftlichen Studien den Cholesteringehalt und schützen vor Arteriosklerose. Walnüsse sind ferner reich an Zink (ein wichtiges Spurenelement u. a. für Leber und Haare) und Kalium (für den Herzmuskel bedeutsam), hinzu kommen Magnesium, Phosphor, Schwefel, Eisen, Kalzium und die Vitamine A, B1, B2, B3, C, E und Pantothensäure. Aufgüsse mit getrockneten Blättern werden regelmäßig in der Volksmedizin (z. B. gegen Hautunreinheiten, Zahnfleischentzündung, Drüsenkrankheiten) eingesetzt. Mit gebrühten grünen Walnussblättern kann man Kopfläusen den Garaus bereiten. Die grünen Schalen sind reich an Vitamin C; Schalenextrakte werden kosmetisch für bräunende Öle verwendet. Eine erstmals von W. Kattner erprobte Walnussschalen-Spiritus-Tinktur hat sich bei der biologischen Bekämpfung der Varroamilbe bewährt (s. Deutsches Bienen Journal 2/1996 und Imkerfreund 6/1998). Das in den Kernen bis zu 60 % enthaltene, kalt gepresste, nicht eintrocknende Walnussöl eignet sich zur Herstellung von Ölfarben und Firniss.

  nussschale_trans   Nahrung für Tiere, begehrtes Edelholz


Walnüsse sind auch bei Tieren sehr begehrt, so dass man häufig von ihnen bearbeitete Früchte findet. Eichhörnchen, Eichel- und Tannenhäher vergraben als Wintervorrat einzelne Nüsse; den vergessenen Verstecken entsprießt dann im kommenden Jahr ein neuer Nussbaum. Eichhörnchen öffnen die Nüsse, indem sie die unteren Nagezähne in eine der dünnwandigen Teile der Schale drücken und sie dann auseinandersprengen, wobei die Zähne als Brecheisen eingesetzt werden. Mäuse und Siebenschläfer müssen sich dagegen mühselig einen Weg zum Kern nagen; auch sie beginnen dabei häufig an den dünnschaligen Stellen sehr gleichmäßig mit den unteren Nagezähnen zu raspeln. Kohlmeisen können die Schale nur an dün­nen Stellen zerhacken und müssen sich mit dem begnügen, was sie mit dem Schnabel vom Kern erreichen können. Dohlen halten die oft vom Baum geholte Nuss mit dem Fuß fest und hacken mit dem kräftigen Schnabel ein großes, unregelmäßiges Loch in die Schale. Auch wurde beobachtet, dass findige Saatkrähen die Nüsse über einer Straße fallen lassen, damit sie von Autos überrollt werden und die so freigelegten Kerne von den Vögeln leicht aufgenommen werden können. Das oft schon von Baum zu Baum im hell-bis dunkelbraunen Farbton verschiedene, harte, zähe und mittelschwere Holz des Nussbaums ist neben der Furniereiche das teuerste. Für Furniere besonders attraktiv sind dunkel geflammte und maserige Hölzer. Sie werden von der Möbelindustrie, der Kunsttischlerei, für Decken- und Wandverkleidungen hoch geschätzt. Schwächere Stämme werden für Drechsler- und Schnitzarbeiten, Uhrgehäuse, Kassetten, Bilderrahmen, Gewehrschäfte und viele andere Holzwaren verwendet.

  nussschale_trans    Symbolik und Brauchtum

Walnuss ist wie die Haselnuss ein altes Fruchtbarkeitssymbol. Die Sitte, bei Hochzeiten mit Nüssen zu werfen, lässt sich bis zu den alten Griechen zurückverfolgen. Auch bei römischen Hochzeitsbräuchen sollte das Nüssewerfen einen reichen Kindersegen bewirken. Ein heller Klang beim Aufprall der Nüsse sollte eine ebenso glückliche Ehe, wie die von Jupiter und Juno, vorhersagen. In England warfen Brautleute selbst Walnüsse ins Feuer. Verbrannten sie leise, dann sollte die Ehe harmonisch und glücklich werden; krachten sie aber im Feuer, dann gab es auch in der Ehe Krach. Walnüsse dienten früher als Polternüsse: Am Abend vor der Hochzeit warf man dem Brautpaar Nüsse vor die Tür, weil sie ordentlich Krach machten. Man wollte damit böse Geister vertreiben, die das noch junge Eheglück stören könnten. Im Christentum soll der Kern der Nuss das süße Fleisch Jesu symbolisieren, das zuvor in der Schale von Marias Schoß gewachsen war.

Helmut Hintermeier, Ringstraße 2, 1605 Gallmersgarten

 

Juglans regia aus forstbotanischer Sicht

 

Nun also die Walnuss; sie ist die zwanzigste Baumart, die das Kuratorium Baum des Jahres (KBJ) seit 1989 zum selbigen gewählt hat. Als idealen und unübertroffenen Hausbaum lobt Prof. Dr. ANDREAS ROLOFF, der in Tharandt Forstbotanik lehrt und zweiter Vorsitzender des KBJ ist, den Nussbaum. Zu lesen ist das in dem Faltblatt, das das KBJ wie jedes Jahr zum Baum des Jahres herausgibt bzw. in den Erläuterungen auf der Internetseite www.baum-des-jahres.de, verfasst von ROLOFF und Dr. SILVIUS WODARZ, dem Vorsitzenden des KBJ.

 

Demnach wäre die Walnuss ein eher unauffälliger Baum, brächte sie nicht zwei Dinge „allerhöchster Qualität" hervor: die besten Nüsse und das edelste Holz. Und wir erhalten noch eine kleine Weisheit dazu: Eigentlich möchte niemand einen Baum, der nur fünf Monate Blätter trägt und sieben Monate kahl dasteht. Doch man muss die Dinge im richtigen Licht sehen. Die Walnuss treibt erst dann aus, wenn wir Schatten brauchen und lichtet ihre Krone, wenn wir die milde Herbstsonne wieder zu schätzen wissen. Der unübertroffene Hausbaum hat, das muss an dieser Stelle gesagt sein, aber auch einen Nachteil, der im umgekehrten Verhältnis zur Grundstücksgröße steht. Er macht sich breit! Das hat auch damit zu tun, dass sich die Stammachse bald auflöst, denn Wipfelschäftigkeit ist die Sache des Nussbaums nicht. Auch andere Laubbäume wachsen ohne durchgehende Hauptachse, bei der Walnuss sei dies aber besonders ausgeprägt: 20 Wipfeltriebe und mehr können laut ROLOFF die Krone eines Walnussbaumes bilden.

 

Keimung:

Genau genommen sind das, was wir bei der Walnuss essen, die beiden gefalteten und fleischigen Keimblatter des Embryos. Dieser ist durch eine echte holzige und eine unvollständige hautartige Scheidewand, die beide kreuzartig zueinander stehen und das so genannte Kreuzchen bilden, in vier Abteilungen geteilt. Die Keimung findet im folgenden Frühjahr statt, dazu müssen die Früchte einige Zeit feucht und kalt gelegen haben, was ja in der Natur automatisch durch den Winter und herabgefallenes Laub geschieht. Dann sprengt der schwellende Embryo die Schale an der Naht auseinander. Die Keimblätter entfalten sich bei der Keimung nicht, sondern bleiben wie bei Eiche und Kastanie auf dem Boden und werden vom Keimling beim Aufwachsen "ausgesogen".

 

 

   nussschale_trans   Walnuss in der Landwirtschaft   juglans_regia

Die Anbaumöglichkeit der Walnuss wird in etwa mit dem Begriff Weinbauklima gleichgesetzt. Die Grenzen der Verbreitung werden weniger von tiefen Wintertemperaturen bestimmt als von Spätfrösten, auf die sie empfindlich reagiert. Als eigentliche Heimat wird Südosteuropa sowie Vorder- und Mittelasien angesehen. Die Geschichte der Verbreitung der Walnuss durch die Menschen spiegelt sich auch in der Namensgebung wider: Bei den Griechen hieß die Walnuss „Dios balanos", göttliche Eichel. Daraus wurde im Lateinischen „Jovis glans", Eichel des Jupiter, auf das der Gattungsname Juglans zurückgeht. Der deutsche Name leitet sich von dem Wort „Welschnuss" ab, als Welschen wurden einst die Franzosen genannt. Karl der Große soll die Verbreitung der Wald-nuss sehr gefördert haben. Etwas Besonderes ist ein Vorkommen in Kirgisistan, das ansonsten nicht für seinen Waldreichtum bekannt ist. In einem Höhengürtel zwischen 1 000 und 2 000 m wachsen Walnüsse an den Nordhängen des Fergana-Tals zwischen Alaikette und Tienschan-Gebirges bis zu 30 m hoch. Unter den Nussbäumen, die eher licht stehen, wachsen verschiedene Wildobst¬arten der Gattungen Prunus, Pyrus und Malus. Diese Walnuss-Fruchtwälder werden agroforstlich genutzt. Ihre Fläche ist von einstmals 600 000 ha um 95 % auf 30 000 ha geschrumpft (Angaben aus den 1980er-Jahren). 1945 wurden sie von der Sowjetunion unter Schutz gestellt. Nach dem Ende der Sowjetunion, im heutigen Kirgisistan, ist die nachhaltige Nutzung jedoch nicht mehr gewährleistet. Es fehlt einerseits an Geld, um die Bewirtschaftung zu sichern, andererseits zwingt die Armut die örtlichen Bevölkerung, die Walnuss-Fruchtwälder auch zur Gewinnung von Brennholz stärker zu nutzen als sie vertragen können. Die größten Anbauflächen für die Produktion von Nüssen sollen sich in Kalifornien befinden. In den Tälern des San Joaquin und des Sacramento stehen Nussplantagen auf 82 000 Hektar. Dort werden jedes Jahr an die 300 000 t Walnüsse geerntet. Größere Mengen werden auch im Süden der ehemaligen Sowjetunion erzeugt, in China, in der Türkei und in Italien. Die weltweite Jahresproduktion an Walnüssen liegt bei 1,5 Mio t.

  nussschale_trans   Walnuss im Wald

Wenn die Walnuss das edelste Holz liefert, warum spielt sie dann in der Forstwirtschaft keine Rolle? Im Wald hat die Walnuss, zumindest in Deutschland, nicht Fuß fassen können - von einigen Flächen abgesehen, die zudem oft auf das Betreiben von wenigen Enthusiasten zurückzuführen sind. Man könnte es auch so sagen: Über die Flächen der Versuchsanstalten ist sie nie hinausgekommen, und in die Waldbau-Lehrbücher ist sie nicht hineingekommen. Am Zuwachs kann es nicht liegen. Mit einer Umtriebszeit von 80 Jahren ließen sich ähnlich starke Stämme wie mit der Kirsche erzeugen. Schwierigkeiten ergeben sich eher aus der Bestandesbegründung durch Pflanzung wegen der empfindlichen Pfahlwurzel und mangels Erfahrungen, wie man den Lichtgenuss waldbaulich steuern muss. Um die Walnuss als Waldbaum zu fördern, wurde 1991 die IG Nuss gegründet. In Verbindung mit der IG Nuss haben wir in Nr. 48/1990 und Nr. 12/1991 einen Schwerpunkt zu den Nussbäumen veröffentlicht. Einen weiteren Schwerpunkt haben wir für diesen Sommer geplant. Interessant ist auch der Anbau der nordamerikanischen Schwarznuss; und für jene, die sich nicht von Artgrenzen aufhalten lassen, gibt es auch noch die Hybridnuss, eine Kreuzung zwischen der Walnuss und der Schwarznuss. Die

   nussschale_trans   Walnuss ist eine echte Nuss

Eine Walnuss, also die Frucht des Nussbaumes, ist tatsächlich eine Nussfrucht. Bis 2006 wurde sie als eine Steinfrucht wie Kirsche oder Aprikose eingeordnet. Dann hat der Biologe MICHAEL MARKOWSKI für seine Diplomarbeit (ausgezeichnet mit dem Camillo-Schneider-Preis der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft) die Entstehung der Walnüsse untersucht. Die grüne Hülle wird dabei nicht wie bei den Steinfrüchten aus Organen der Blüte gebildet, sondern aus Blattorganen. Würde die grüne Schale nun mit zur Frucht gehöِren, wäre es eine Steinfrucht wie z.B. die Kirsche. Deshalb ist die Walnuss eine "echte" Nuss.

H. Kronauer aus AFZ - Der Wald Nr. 5 2008 S. 259 (verändert)

 

Altes Volksrätsel (aus LAUDERT 2003)

Zur schöِnen warmen Sommerzeit

da trage ich ein grünes Kleid.

Doch wenn erst kommt der Herbst daher,

trag' ich das grüne Kleid nicht mehr.

Ich trage dann ein Kleid von Stein,

ein Hammerschlag dringt kaum hinein.

Und kommt die liebe Weihnachtszeit,

so trag' ich gar ein golden Kleid.

Das zieht mir dann das Kindchen aus

und isst mich selbst zum Weihnachtsschmaus.