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Esche

Die ESCHE, Fraxinus excelsior L.

Das Kuratorium „Baum des Jahres", dem auch die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e. V. angehört, hat die Esche zum Baum des Jahres 2001 ausgerufen. Der zwar weit verbreitete, aber nur wenig beachtete Laubbaum habe wegen „einmaliger botanischer und ökologischer Besonderheiten" mehr Aufmerksamkeit verdient, begründete das Kuratorium seine Wahl.

Esche_Rinde

Die Esche ist der Baum der krautreichen Au-, Schlucht- und Laubmischwälder. Zusammen mit Schwarzerle und verschiedenen Weidenarten säumt sie meist die Bäche im Tiefland und gibt so mancher Landschaft ihr typisches Gepräge. Mit einer Höhe von 40 Metern und mehr ist die Esche nicht nur der höchste Laubbaum Mitteleuropas, sondern zugleich eine unserer markantesten Baumgestalten, die mit keinem anderen Laubgehölz verwechselt werden kann. Selbst nachdem Blattabwurf ist der Baum noch an seinen bis sechs Millimeter großen, völlig schwarzen Winterknospen leicht zu identifizieren. Charakteristisch sind ferner die unpaarig gefiederten Blätter, die eine Länge bis zu 30 Zentimetern erreichen können. Recht unscheinbar nehmen sich dagegen die kleinen, zuerst purpurroten und später grünen Blüten aus. Sie sind zwittrig oder eingeschlechtlich und erscheinen in seitenständigen Rispen vor dem Laubaustrieb.

 

Nahrung für über 40 Insektenarten

Obwohl die Gemeine Esche windblütig ist, wird sie gerne von Honigbienen besucht, die den Pollen sammeln und in mittelgroßen, grauen, oft rötlichen bis lilafarbenen Höschen in ihre Stöcke tragen. Die Blütenstaubproduktion wird auf 12.000 Pollenkörner je Staubblatt, 25.000 je Blüte und 1,6 Millionen je Blütenstand geschätzt (Maurizio/Schaper). Blattwerk und Holz der Esche werden von bis zu 41 pflanzenfressenden Insektenarten als Nahrungsquelle genutzt, darunter vier Käferarten, zwei Pflanzensaugerarten, zehn Wanzenarten sowie die Raupen von neun Klein- und 16 Großschmetterlingsarten. Zu letzteren zählt auch das prächtige Blaue Ordensband, das mit einer Flügelspannweite von mehr als zehn Zentimetern die größte Art der bei uns vorkommenden Ordensbänder darstellt. Die bläulichgrauen Vorderflügel sind mit dunklen und hellen Querlinien gezeichnet, während die Hinterflügel ein breites atlasblaues Band tragen, das sich nur bei dieser einzigen europäischen Art findet. Die Falter fliegen weit umher und lassen sich mit Ködern auch in den Siedlungsbereich locken. Am besten hat sich eine zu gleichen Teilen aus Honig und Malzbier hergestellte Mischung bewährt, die auf Baumstämme oder Zaunpfosten gestrichen wird. Die gefräßigen Falterraupen stellen für gutwüchsige Eschen keinerlei Gefährdung dar. Erhebliche Schäden können dagegen durch Mäuse entstehen, die unter der Schneedecke den Stammfuß von Eschen benagen. Stärkere Eschen werden häufig vom Rotwild geschält, die Jungwüchse sehr stark vom Rehwild verbissen oder durch Fegen verletzt.

 

Eschen schützen Obstkulturen

Die länglichen und für die Windverbreitung geflügelten Nussfrüchte we

Esche_Knospen

rden von Vögeln, vor allem vom Gimpel, mit Vorliebe verzehrt. In der älteren ornithologischen Literatur wird der Gimpel oder Dompfaff unter die Kategorie „Schadvögel" eingestuft. Der Grund: Im Spätwinter, wenn die Nahrungsvorräte knapp werden, haben es die Gimpel zusammen mit Meisen, Sperlingen und Finken vor allem auf die Knospen unserer Obstbäume abgesehen. Besonders begehrt sind dabei die Blütenknospen, da sie viele wertvolle Vitamine, Eiweiße, Fette sowie Zucker und Stärke besitzen. Von englischen Wissenschaftlern durchgeführte ökologische Untersuchungen haben hier einen interessanten Zusammenhang aufgedeckt: Die Winternahrung der britischen Gimpel setzt sich im Wesentlichen aus den Sämereien einiger weniger Pflanzen zusammen, unter denen vor allem das Angebot an Birken- und Eschenfrüchten von Jahr zu Jahr sehr stark schwankt. Wenn zum Frühjahr hin das herbstliche Samenangebot zurückgeht, steigen die Gimpel auf Knospennahrung um. War das Samenangebot im Herbst groß, blieb der Anteil der Knospennahrung im Frühjahr relativ gering. Vor allem die Esche spielt hier die entscheidende Rolle, weil ihr Samenangebot bei hoher Eschenmast (im Untersuchungsgebiet alle zwei Jahre) jeweils am längsten zur Verfügung steht und die Gimpel vom Knospenverbiss abhält. Eschen stellen somit nicht nur eine ästhetische Bereicherung des Orts- und Landschaftsbildes dar, sondern erweisen sich zugleich als ökologisch wirksamer Schutz von Obstkulturen.

 

Kulturgeschichtlicher Aspekt

 

Die Beziehungen Mensch - Esche sind sehr vielfältiger Natur. In der nordischen

Esche_Fruechte

Götterlehre (Edda) spielte der stolze Baum eine hervorragende Rolle. Von besonderer Bedeutung war die Weltenesche Yggdrassil. Sie umspannte Himmel und Erde, und unter ihren Wurzeln wohnten die Schicksalsgöttinnen, die drei Nornen.

Aus einem Eschenschaft sollen die Götter den ersten Mann (Ask), aus einem Edenschoss die erste Frau (Embla) gebildet haben. Die Lanze des griechischen Helden Achilles war aus Eschenholz, und als die Wikinger nach England kamen, wurden sie „ashman" genannt, weil ihre Lanzen und Bögen aus Eschenholz gefertigt waren. Die Esche ging in viele Familien-, Orts-, und Flurnamen ein: Wolfram von Eschenbach, Eschweiler, Eschelbronn.

In grasarmen Gegenden spielte das Eschenlaub früher als Winterfutter für Kleinvieh, Ziegen, Schafe und Schweine eine wichtige Rolle; der Baum wurde deshalb oft in der Nähe von Häusern angepflanzt. Noch heute sieht man gelegentlich in der Nähe von Höfen alte Eschen, die Spuren früherer Beschneidung zeigen. Die Blätter wurden früher anstelle von Hopfen zur Herstellung von Haferbier verwendet. Die Rinde benutzte man zum Gerben sowie zum Braun-, Blau- und Schwarzfärben. Auch war sie in den alten Pharmakopöen verzeichnet und wurde von den Ärzten als Ersatz für die teure Chinarinde verwendet. In der Volksmedizin werden die getrockneten Blätter noch immer gegen Rheuma, Gicht und Wassersucht, die Rinde gegen Fieber, Würmer und als Abführmittel eingesetzt. In der Forstwirtschaft zählt die Esche - sie kann bis 300 Jahre alt werden - nach wie vor zu den wertvollsten Nutzhölzern. Das zähe, biegsame und tragfähige Holz findet im Maschinen- und Wagenbau, in der Sportgeräte- und Möbelindustrie sowie bei Drechslerarbeiten vielfältige Verwendung.

 

(Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Helmut Hintermeier, Gallmersgarten, aus ADIZ 01/01, Fotos aus Enzyklopädie der Holzgewächse, Foto Esche, Früchte von Hr. Dr. Harz aus ADIZ 01/01)